Poetry Non Grata


Wintersonnenwende: 1. Morgensonne (1)
Mai 3, 2008, 4:56 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Affaire, Alkohol, Berlin, Beziehungen, Erzählungen, Morgen, Prosa, Sonne

1. Morgensonne

Ich stelle die Tasse Kaffee auf den Tisch. Die Wohnung ist unordentlich und von irgendwoher erreicht der süßliche Geruch von altem Obst meine Nase. Er bezahlt auch noch viel zu viel für diese Wohnung. »Rührei oder Spiegelei« fragt er. »Ich frühstücke nicht« erwidere ich. Er wiederholt seine Frage und obwohl ich fünfzehn Minuten lang bei meiner Antwort bleibe, stellt er mir einen Teller hin und wirft Rührei mit Tomate und Zwiebeln etwas lieblos darauf. »Du musst frühstücken. Gerade mit Deinem Lebensstil, ist es wichtig wenigstens eine Grundlage zu schaffen« erklärt er. Ich sage nichts und frage mich ob er nicht merkt, dass er mich nervt. Ich zünde mir eine meiner Zigaretten an und sehe mich in der Küche um. Es könnte auch ein Bad sein. Die Fließen finde ich schrecklich und die wahllos an die Wand gehefteten Bilder machen mich krank. Da lächelnde Gesichter, dort auch, hier noch mal. Wir alle: glücklich im Delirium. Gemessen an dem Alkoholkonsum des vorangegangenen Abends, finde ich es sehr tapfer von mir vor diesem Berg Nahrung zu sitzen, der mich permanent an die Gehirnmasse des Studenten aus »Friedhof der Kuscheltiere« erinnert. Als Belohnung für meine bisherige Ausdauer, trage ich den Kaffee von der Küche ins Wohnzimmer und drehe den Fernseher an. Hier ist alles mit Ikea-Möbeln eingerichtet. Und auch noch so, dass es nach Ikea aussieht.
»Hey, was tust Du« ruft er vom Nachbarzimmer. »Ich durchwühle Deine Sachen und verbrenne Deine Lieder«. »Warum« fragt er, als hätte ich ihm erzählt, dass ich lieber Bus als Bahn fahre. Dabei steht er auf. Sein billiger Ikea-Stuhl kratzt laut über den schwarz-weiß gefliesten Küchenboden. Im nächsten Moment steht er in der Wohnzimmertür. »Ich mag sie nicht. Sie sind billig, gefühllos und noch dazu ohne irgendeine Aussage oder lyrischen Anspruch«. Während er mich beinahe verletzt aber wenigstens enttäuscht ansieht, ziehe ich es vor regungslos auf der Couch zu sitzen und den Fernseher anzustarren. Morgennachrichten. Irgendwo hat es gebrannt. Irgendjemand hat sich in die Luft gejagt. Irgendetwas wurde beschlossen. Das interessiert mich alles einen Scheiß. Mir ist schon lang egal was da draußen passiert. Ich kann mich nicht auch noch um die Sorgen der Welt kümmern. Ich werfe keine Zigarettenstummel auf den Boden und ich halte mich an Tempolimits. Das muss genügen, um die Krise nicht zu verschlimmern. Was das betrifft, bin ich mit mir im Reinen.
»Gefühllos, ja?«
»Ja. Völlig banal und ausdruckslos.«
»Warum sagst Du das?«
»Weil es so ist.«
Damit ist das Gespräch von meiner Seite aus beendet. Aber er redet weiter. Ich höre nicht zu. Ich finde ihn viel zu anstrengend und befindlichkeitsfixiert für neun Uhr am Morgen. Die Sonne blendet mich durch die Jalousie hindurch. Sie brennt in meinen verquollenen, schwarz-verschmierten, roten Augen noch mehr als der Qualm der Zigarette der senkrecht nach oben steigt. Ich mache mich auf den Weg zum Fenster, um es zu öffnen. Darauf hätte er auch kommen können, aber um bestimmte Tageszeiten denkt er nicht. Er redet nur. Und redet und redet. Am Anfang hing ich willenlos an seinen Lippen, bis ich irgendwann aufhörte seinen Mund zu beobachten und die Worte beachtete. Seit diesem Tag schalte ich wieder auf stumm wenn er spricht. Seine Weltverbesserungstheorien sind wertlos und wirklich überflüssig. Wie seine Lieder. Manchmal bedauere ich ihn, bemitleide ihn dafür, dass jemand in seinem Alter nichts Sinnvolles zu sagen hat. Sondern einfach nur redet. Eine unbestimmte Aneinanderreihung von Worten, die nicht aufhören will.



Joey Left Like A Thief At Night
April 22, 2008, 9:13 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Abschied, Berlin, Beziehungen, Gedichte, Musik, Sehnsucht, Trennung, Tränen, Urban

Joey Left Like A Thief At Night

Joey, walk with me through the suburb
Joey, walk with me through the town
Joey, walk with me. It’ll be summer
walk with me through our common ground

Joey, you’ll be gone
when the fall falls down
lying on the lawn
drinking whine downtown

Joey, you’ll be good
and gone tomorrow
and where you once stood
I gently tiptoe

Joey; dance with me in the backyards
Joey; dance with me through the town
Joey; dance with me all the slow parts
Dance with me, let me turn around

Joey, dry your tears
dry your rain-swept eyes
rather send me cheers
follow my advice

Joey enjoy silence
in nights of wrong-doings
Joey enjoy my dance
before your ears ring

Joey stay with me in the dark streets
Joey stay with me in the sea
Joey stay with me for the next weeks
stay with me until autumn leaves



Verschoben
März 15, 2008, 7:09 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Berlin, Freiheit, Gedichte, Urban

Verschoben

Morgens lauf ich durch die Seen
der Morgen will schon Mittag sein
betrachte noch schwach das Geschehen
tauche in das Meer hinein

Stahl und Blei und auch Beton
verschmelzen ganz in heißen Küssen
and I sing my Song along
die Straßen fliegen hin in Flüssen

Lichter blenden mich noch hell
als die Welt mir Geld versagt
Is this my holiday or hell?
die Frage wird vorerst vertagt



Verlangen
Februar 29, 2008, 11:26 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Anziehung, Begierde, Gedichte, Liebe, Trennung, Verlangen

Verlangen

Meine Arme langen nach Dir lange schon
Ich verlange nach Dir, wenn es sich lohnt

ich verlange, ich verlange nicht mehr
ich verlange, ich verlange so lange so sehr

Mein Kopf schwirrt im Rausch Deiner Idee
Mein Ich irrt im Traum dieses Klischees

ich verlange, ich verlange viel mehr
ich verlange, ich verlange nach Dir so sehr

Mein Körper ergibt sich Deiner Hand
Meine Vernunft ergibt sich nicht dem Verstand

ich verlange, ich verlange nie mehr
ich verlangte, so lange und lange zu sehr



Kings and Queens
Februar 28, 2008, 3:52 Uhr vormittags
Gespeichert unter: English, Gedichte, Schmerz, Verletzungen

Kings and Queens

I saw somebody falling down
bouncing badly on the ground
as he tumbled down that hill
next to the old wooden mill
and he broke his arms and legs
had a hole in his head
I guess the pain was very bad
But the hospital fell down
as an earthquake shook the ground
so there was no one around
to help him



Kopfschmerz
Februar 24, 2008, 2:58 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Chaos, Gedichte, Leben, Unverständnis, Verfall, Wohnen

Kopfschmerz

Die Teller stehen schon seit Tagen
die Reste schimmeln langsam vor sich hin
die Äpfel ergeben sich müde den Maden
doch aufräumen ist einfach nicht drin

Erst wenn ich das Chaos ordnen kann
dass mich von innen verschlingt
ist die Wohnung wieder dran
Wann das mir wohl gelingt?



Erwacht aus einem Traum
Februar 24, 2008, 12:31 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Allein, Gedichte, Verlassen

Erwacht aus einem Traum

Der Beat wird langsamer
ich spüre ihn kaum
lost in the Summer
erwacht aus einem Traum

Trage ich Tränen im Gesicht
falle verzweifelt to the ground
keiner da, der sie wegwischt
erwacht aus einem Traum

Die Maske bemalte ich
was looking for what I found
alles nur nicht süchtig
erwacht aus einem Traum

Verlassen steh ich herum
lis’ning to the Sound
nutzlos, naiv und ach so dumm
erwacht aus einem Traum



Die alten Häuser
Februar 22, 2008, 4:07 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Gedichte, Leinawald, Vergangenheit

Die alten Häuser

Die alten Häuser stehen nicht mehr
Jemand, der mir nicht bekannt
schlug sie zu einem Trümmermeer
und steckte dann die Welt in Brand

Die alten Häuser such ich noch
Jemand, den ich schon mal sah
meinte sie stünden da immer noch
sie seien wohl immer noch da

Die alten Häuser find ich nicht
Jemand belog und lies mich im Stich
Jemand den ich sehr gut kannte
bis ich zur Wintersonnenwende
gegen tausend alte Wände
all der alten Häuser rannte



Worte im Ersticken
Februar 21, 2008, 1:42 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Gedichte, Liebe, Resignation, Tod

Worte im Ersticken

Es blieb nichts mehr über
Was wollt Ihr mir noch nehmen?
Meine Augen sind trüber
Und hinüber mein Leben

Ihr habt was meins war
Es ist die Straße, die ruft
Ihr streichelt mein Haar
Atmet meinen Duft

Atmet meine Luft
lasst keine Kraft, keinen Mut
Es ist die Straße, die ruft
Mir geht es gut



Auf Probe
Februar 21, 2008, 1:11 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Einsamkeit, Gedichte, Kindheit, Liebe, Sehnsucht, Tränen, Vergangenheit

Auf Probe

Oh Liebes, Oh Süße, Oh Feine
Da liegst Du nun da wie vor Jahr’n
Schläft leider lang schon alleine
Heldenhaft unnütz bei den Gefahren

Früher lagst Du an meiner Seite
Teiltest mit mir mein kleines Bett
Wenn ich durch mein Zimmer schreite
Fühl’ ich mich wie Du: stolz und kokett

Oh Engel, Oh Liebe, mein Leben
Zart Deine Haut und grausam Dein Geist
So viel hast Du mir gegeben
Genug, dass ich es wohl zu schätzen weiß

Meine Tränenschar sahst einzigst Du
Gemeinsam begonnen von Kindheit an
Lässt die Sehnsucht mich nicht in Ruh’
Und zeigt mir Phantome dann und wann

Ich weiß dass Du wartest, noch immer
Man ließ es mich wissen, Oh Fein’
Du wartest vor meinen Zimmer
aber dort bin ich nicht mehr daheim