Poetry Non Grata


Immer gestern

Immer gestern

Dieser Raum ist eingehüllt von Nebelskulpturen
in ihnen streiten sich Geister, Welten, Strukturen
sie will ihn nicht und will nicht immer bei ihm sein
er will sie aber nicht für immer. Für heute. Nein.

Sie trinken das letzte Bier, den letzten Wein
beim letzten Wodka bricht er zusammen. Schläft ein.
Wieder liegt er in ihren Armen und will woanders sein.
Wieder muss sie sich beherrschen und fühlt sich klein.

Er kämpft gegen die Welt aber meistens gegen sich
löst sich los, fühlt sich kurz frei und wieder bindet sich
um ihn die Vorstellung, dass es sich besser zu zweit lebt
weiß dass er unglücklich ist, dass es so nicht weiter geht

Sie streicht ihm nachdenklich durchs Haar. Schweigt
während er schläft bis die Nacht sich dem Ende neigt
sie passt auf, auf ihn und seine dummen Ideale auch
und weiß, dass sie nichtig sind. Keins taugt.

beide fühlen, dass es nicht tiefer werden kann
beide schweigen stetig darüber und endlich dann
wird’s beiden fast gleichzeitig unfassbar klar
dass das damals die einzig richtige Option war

nur ist zu viel Zeit seit der Erinnerung vergangen
er hat den Fehler begangen, wurde von ihr gefangen
die alten Fotos verbrennt er und setzt sie vor die Tür
all die Liebe war umsonst. Liebes Leben, sag: wofür?



Im Rauschen
November 21, 2007, 1:33 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Abschied, Allein, Beziehungen, Einsamkeit, Erinnerung, Gedichte, Liebe, Musik, Nacht, Resignation, Sehnsucht, Selbstverständnis, Trennung

Im Rauschen

Ich orientiere mich an Dir
Du bist hysterisch außer mir
Ich springe wenn Du springst
halte Deine Hand in der Nacht
wenn Du Liebeslieder singst
und sie davon nicht aufwacht

heimlich küsst Du mich intensiv
und ich beweg mich provokativ
weißt Du wo es endet irgendwann?
sagst Du mir wenn’s soweit ist?
lügst Du mich dann bitte an?
sagst, dass Du in sie verliebt bist?

Lässt Du mich allein im Regen
steh ich verlassen auf Deinen Wegen
spring ich tapfer von der Brücke
spring ich taktlos in den Fluss
bleibt in der Erinnerung nur EINE Lücke
schmeck’ ich im Rauschen Deinen Kuss



Gleich vorbei
November 18, 2007, 7:35 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Angst, Einsamkeit, Gedichte, Leben, Menschen, Resignation, Selbstverständnis

Gleich vorbei

Vorüber geht das Glück
winkt nochmal zum Abschied
Sonne zieht sich zurück
kein Wort, kein Kuss, kein Lied

liegt da und verblasst
verbrennt nicht überraschend
nicht mehr zauberhaft
machtlos ohne bekannte Waffen

sieht noch Dunkelheit
sah noch niemals mehr als nun
zweite Reihe Ewigkeit
vielleicht alles nochmal genauso tun

vorüber geht die Trauer
nickt zum Abschied nochmal rüber
Wodka macht jetzt schlauer
gedankenlos in die Nacht hinüber

kaputt in den Morgen
Tag bricht an und Panik aus
Herz macht wieder Sorgen
rennt auf die Straße raus

stellt sich neben mich
will dass ich bleibe bis es endet
die Situation kenne ich
bleib bis das Glück ihn blendet



MENschen
November 14, 2007, 3:53 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Beziehungen, Gedichte, Leben, Liebe, Menschen

MENschen

Mich regt die ganze Situation so auf
meine Güte, sei doch mal bestimmt
immer hin immer her geht nicht auf
begreife, dass hier niemand gewinnt

Es geht nicht um Sieg oder Niederlage
nicht um Absturz und nicht um Aufprall
Nicht nur Vorspulen und Wiedergabe
Du siehst Rauch und ich hör Schall

Komm zum Punkt, komm endlich an
fang an die Nebensätze zu streichen
ich versteh Dich zwar dann und wann
aber das wird zukünftig nicht reichen

Wenn hier noch mehr passieren soll
(und das liegt in Deinem Interesse)
dann befinde nicht einfach alles als »toll«
»toll« wär’s auch wenn ich Dich vergesse



Grau Blau
November 14, 2007, 11:35 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Gedichte, Leben, Liebe, Sehnsucht, Verliebtheit

Grau Blau

Er schaut mich wieder an und kein
Ozean der Welt hat so viel Tiefe wie
sein Blick, der mich fängt und mein
Herz sticht. Schmerzhaft. C’est la vie.

Seine Welt hat tausend Farbmotive
trotzdem ist alles ganz klar formuliert
in kleine Kästchen eingeordnete Liebe
und endlich viel nur grau schattiert

Die Haare fallen ins Gesicht in diesem
Moment wenn er mir mehr verspricht
und ich mich wehre zu genießen
denn halten kann sein Blick es nicht



Der letzte Sommer der Jugend
November 7, 2007, 5:16 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Bulgarien, Erinnerung, Freunde, Gedichte, Jugend, Menschen, Sommer, Urlaub

Der letzte Sommer der Jugend

Ich erinnere mich um nicht zu vergessen
wie jung wir waren und wie besessen
von der Idee der Unabhängigkeit und auch
von dem Gefühl der Freiheit tief im Bauch

Wir viele flogen weit und flogen aus
in neue Länder, in die Welt hinaus
wir waren zusammen allein auf uns gestellt
wir liebten uns, das Leben, die Welt

Allgemein liebten wir alles was gut war
und fanden sogar das Schlechte wunderbar
unser Blick war getrübt aber das machte nichts
die Sonne war die Sonne und nicht bloß Licht

Ein Lichtblick weiter begann schon das Meer
wir tanzten auf Tischen und teilten stets fair
geschwängert von medialen Idealen schwammen
wir nachts noch im Wasser von Freude gefangen

Wir erlebten auch Trübsinn und Wehmut mitunter
doch all diese Trauer zog uns nicht hinunter
wir flogen nur höher und berührten die Nacht
wir liebten uns, das Leben und die Welt tausendfach

Der letzte Sommer der Jugend