Poetry Non Grata


Kinderspielplatzklettergerüst
Januar 29, 2008, 6:39 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Abschied, Allein, Beziehung, Gedichte, Tod, Trennung

Kinderspielplatzklettergerüst

Ihr seid ein Kinderspielplatzklettergerüst
ihr seid weit weg vom Erwachsenwerden
Du hast mich zu erst geküsst
und jetzt müssen alle alleine sterben



Happy Home
Januar 29, 2008, 5:47 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Beziehungen, English, Erinnerung, Gedichte, Leben, Liebe, Menschen, Nacht

Happy Home

Exhausted clouds are overcasting
sunny skies with life long lasting
alibis and feel good lies
in my happy home to hide

Never mind the midnight crimes
committed by those little minds
when I sigh and then descry
you in my happy home tonight

Trees are running fast around me
fast and faster, almost unseen
Clouds are moving rash in bright eyes
Tears are streaming out of kohled eyes
chasing lazy two cold traces
getting lost in hazy places



Susej
Januar 29, 2008, 5:38 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Erinnerung, Freunde, Gedichte, Jugend, Schutz

Susej

Susej, lass uns ein kleines Stückchen gehen
zu dem Weg, wo ich Dich zuletzt gesehen.
Susej, beweg Dich nicht zu unbedacht
pass auf, steh still, lass los, gib Acht!

Susej gib auf, gib her, ich werd Dich halten-
Siehst Du bei den Bäumen die Gestalten?
Susej, sieh sie alle wollen Dich fangen!
Siehst Du wie sie nach mehr verlangen?

Susej, Du musst mit mir den Ort verlassen,
die Stimmen werden lauter. Sie fassen.
Susej, Du bist hier schutzlos ganz allein!
Vertraue mir, ich bring Dich heim.



Elite
Januar 26, 2008, 9:23 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Berlin, Bildung, Gedichte, Studium

Elite

Am Ende waren wir am Anfang doch schon hoffnungslos verloren,
haben (heimisch im Delirium) die Vernunft erneut beschworen.
Den Unfug ließen wir beiseite, Konzentration auf Wichtiges.
Und im Rahmen der Untersuchung fanden wir Aufrichtiges.

Bloß der Sinn (dieser Gedanke lässt mich gerade gar nicht los)
verlor sich in der Empirie und wurde schier bedeutungslos.
Warum ich schreibe oder lerne und mich nicht einfach schlafen leg’,
liegt nicht an Ehrgeiz oder Willen. Es ist der neue Bildungsweg.



Komm mit
Januar 26, 2008, 2:54 Uhr vormittags
Gespeichert unter: Abschied, Affaire, Gedichte, Menschen, Nacht, One Night Stand

Komm mit

Schon wieder vorbei denn ein neuer Abend bricht an
was gestern noch liebte, lebt heute nicht mehr
gebrochene Worte ganz leis’ bis zum Sonnenaufgang
wer gestern versprach, spricht heute nicht mehr

Regen zieht ein und die Lichter: schon erwacht
die anderen tanzen, die Zweifel verschwinden
viel heller, viel heller noch als letzte Nacht
und wir sehen ins Licht – solang bis wir erblinden

Morgen wird wichtig, nicht nichtig zuvor
Du hältst die Balance bei jedem Schritt
ich hör Dich leiser, hör nicht auf wie zuvor
und Du sagst zum Abschied: »Komm mit!«



Wahlberlin
Januar 19, 2008, 5:53 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Berlin, Gedichte, Selbstverständnis

Wahlberlin

»Das Leben hier« so sagt man
»ist Zeitvertreib und Liebelei.«
Die Stadt gibt hier den Ton an
bestimmt über Qual und Leid.

Gehasst wird sie von 3 Millionen
und geliebt von vielen mehr.
Hier lebt keiner um zu wohnen,
sie kamen denn sie zog sie her.

Alle wollen nur noch nach draußen
vor die Tür und auf die Straßen.
Hinter den Mauern nur noch Rauschen,
weil viele hier ihr Ziel vergaßen.

Ziellos treiben sie im Kanal,
immer weiter gerade aus.
Wer hier lebt hat keine Wahl.
Aus dieser Stadt kommt keiner raus.



Zeitvertreib
Januar 18, 2008, 12:49 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Abschied, Affaire, Berlin, Beziehungen, Erinnerung, Kurzgeschichten, Liebe, Schweigen, Sehnsucht, Selbstverständnis, Sommer, Verliebtheit

Zeitvertreib

Katharina läuft die Lychener-Straße hinauf zum U-Bahnhof. Die halb-leere Umgebung wirkt kühl im blauen Morgenlicht, dass es nicht schafft über die Dächer in die Flüsse aus Beton zu tauchen. Katharina glaubt fest daran, dass jetzt der beste Moment wäre um zu weinen, denn jeder Spielfilm hätte genau jetzt die Protagonistin weinen lassen. Im kalten morgen-blau, im noch nicht oder nicht mehr schlafenden Berlin, dass seine Menschen noch in den Betten hält, gefesselt an Träume von einer anderen Lebenssituation. Nur Katharina läuft um diese Zeit durch die Straßen und weiß weder wohin noch warum. Sie möchte nach Hause, aber die Situation läd mehr zum Rauchen von Zigaretten an den einsamsten Orten ein um der Seele nochmal einen richtigen Arschtritt subtil zu servieren. Aber solche Orte kennt sie hier nicht. Also läuft Katharina weiter. Zum U-Bahnhof. Hier wird die Population dichter. Hier sind die Menschen dichter. Der Abend ist noch nicht vorbei für die euphorisch und fern vom Eskapismus lachenden, glücklichen Menschen. Katharina sollte auch so lachen. Fast manisch.

Aber das Mädchen mit den schönen Haaren und den roten Schuhen und dem roten Mantel will nicht mehr lachen. Sie ist es müde ständig zu lachen. Und jetzt sollte es ihr richtig schlecht gehen. Jetzt sollte sie weinen. Denn gerade wurde ihr Herz gebrochen. Und dieser grausame Akt der Zerstörung lag fern jeder Erwartung, die sie an den Abend gestellt hatte und schien ihr völlig ungerechtfertigt. Schließlich liebte sie Tom nicht. Sie hatte nie mehr als Sympathie ihm gegenüber empfunden.
Tom war vor 2 Monaten in ihrem Leben aufgetaucht und hatte es sich zur Aufgabe gemacht dort zu bleiben. Sie trafen sich bei einer Party unter Freunden. Er war ein Freund des Gastgebers, sie eine Freundin der Gastgeberin. Sie unterhielten sich den ganzen Abend über die produktivsten Möglichkeiten ein Leben zuführen. Die günstigste Art zu Leben. Die glücklichste Weise auf den Tod zu warten. Sie mochte seine Sicht auf die Welt, dass er immer alles für endlich hielt und sich von großen Liebesgeschichten nicht beeindrucken lies. Und dann trafen sie sich immer wieder. Bei ihm, bei ihr. Sie saßen und redeten die Abende weg und tranken und rauchten bis die Sonne aufging. Manchmal küssten sie sich, aber meisten blieben sie auf freundschaftlicher Distanz. Sie ärgerte sich noch nicht einmal als er ihr von Affairen erzählte und sie plauderte fröhlich von ihren vergangenen Männern und auch von den aktuellen.

Eines Abends dann liefen sie gemeinsam von einem Konzert nach Hause. Es spielte einer dieser neuen Helden der Musikszene. Am U-Bahnhof Oranienburger Straße fragte er »schläfst Du heute Abend bei mir?« und sie antwortete »OK.« und dann liefen sie zu ihm nach Hause. Sie hatte ja schon oft bei ihm übernachtet. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon längst aufgehört andere Männer zu treffen oder zu sehen.

Katharina und Tom liefen durch Mitte. Die Touristen waren schon längst weg von den Straßen und machten die Sicht frei für das Leben. Er hatte irgendwann nach ihrer Hand gegriffen und ihr ging es nicht gut. Aber er ließ sie nicht mehr los, er hielt sie fest und irgendetwas in dieser Berührung gab ihr gleichzeitig das Gefühl beschützt zu werden und einen Fluchtwillen, der sich aus der Liebe zur Freiheit bei ihr entwickelt hatte. Bei ihm angekommen, zog Katharina ihren Mantel aus und setzte sich aufs Bett. Tom stand in der Mitte des Zimmers.
»Was machen wir hier eigentlich, Katharina?«
»Uns die Zeit vertreiben.«
»Weißt Du eigentlich, dass Du die attraktivste Frau bist, die ich seit langem kennengelernt habe?«
Katharina war schlecht. Sie hatte zu viel getrunken und ärgerte sich, dass ihre Zigarettenschachtel leer war. Sie schielte auf Toms Drehtabak. »Darf ich?«
»Ja klar, nimm nur« antwortete er. »Und Du bist auch mit Abstand die intelligenteste Frau, die ich seit langem getroffen habe.«
»Hast Du Lust nächsten Dienstag mit mir ins Kino zu kommen? Da läuft gerade der neue Terantino an.« sagte sie und leckte mit der Zungenspitze das Paper an und drehte es zusammen.
»Katharina, ich habe noch nie jemanden getroffen, der so ist wie Du es bist. So gut, so schön, so intelligent.«
Katharina stand auf, um sich das Feuerzeug vom Tisch zu holen. »In dem Film geht es um…« wollte sie erzählen, aber er schrie sie an: »Verdammt, jetzt hör mir doch mal zu!«
»Nein« sagte sie. Und – wenn sie sich daran erinnerte taten ihre Arme immer noch weh – er packte sie fest und drückte sie gegen die Wand. Und er schrie sie noch lauter an. Und schrie, dass er sie liebe. Und sie sah ihn nur arrogant und entsetzt an und warf ihm vor alles kaputt zu machen, dass sie sich doch so gut verstehen würden und dass man so etwas nicht kaputt machen dürfe. Dass es ein Verbrechen sei, so etwas kaputt zu machen.

Es war ein Tag im Sommer. Und als sie dann gehen wollte, bat er sie zu bleiben und sie blieb und am nächsten Morgen und am darauf folgenden Tag und den ganzen Monat redeten sie nicht wieder darüber. Die Zeit verging und er erzählte wieder von seinen Affairen und sie erfand Geschichten über Männer und sie sahen fern, gingen auf Konzerte und in die Kinos und die Kneipen und manchmal nur so durch die Straßen. Ab und an versuchte er sie zu küssen und manchmal wich sie aus und ein anderes mal küsste sie ihn zurück. Manchmal küsste Katharina Tom auch nur von sich aus. Und wenn sie schliefen, legte er seinen Arm um sie wenn er glaubte sie würde schon träumen. Und wenn Katharina so in seinen Armen lag träumte sie tatsächlich. Nur eben nicht von ihm.

Und heute Abend waren sie wieder bei ihm. Und danach auf einem Konzert und dann in einer Cocktailbar. Und plötzlich sagte er, er könne sie nicht lieben und er könne nicht mit ihrer Liebe umgehen und dass es besser wäre sich nicht mehr zu sehen. Katharina wusste nicht von was er sprach, schließlich liebte sie ihn nicht. Aber seine Worte klangen so überzeugend. Und sie war es gewohnt, ihm alles zu glauben, weil sie keinen so intelligenten und weisen Mann wie ihn kannte. Und so glaubte sie, sie habe sich tatsächlich in ihn verliebt. Sie verließ das Lokal. Enttäuscht, verletzt. Katharina lief die Lychener Straße zum U-Bahnhof hinaus und war wütend auf ihn, dass er ihr Herz gebrochen hatte.



Lauf los
Januar 4, 2008, 8:27 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Affaire, Gedichte, Liebe

Lauf los

Lauf nur los - verlauf dich bloß nicht
steil bergauf - sieh bloß das rot nicht
geh zurück - wenn Panik ausbricht
sieh zurück - genieß die Aussicht

weiter vor - komm mal ins Licht
immer näher - jetzt seh ich Dich
bleib da stehen - ich kenne Dich nicht
dieser Ablauf - wiederholt sich

immer wieder – Wiederholung
und schon wieder was gestohlen
werf Dein Herz auf heiße Kohlen
willst Du Dir das wieder holen?

Willst Du das etwa behalten?
Lass Dich fallen – werd Dich halten
und dann weiter – zwigespalten
bergab vorbei an den Gestallten

die Dir Deine Welt verwalten
zwei neue Wege – nimm den alten
zwei neue Leben – nicht abschalten
komm schon, darf ich Dich behalten

komm zu mir, ich zeig Dir was
etwas was Du noch nicht hast
etwas was Du vielleicht hasst
etwas damit Du nicht verblasst

komm zu mir, will Dir was geben
vielleicht willst Du das ja erleben
viel leichter wird sich das ergeben
lauf los, bloß nicht auf neuen Wegen.



Leichtfertig
Januar 4, 2008, 8:26 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Beziehungen, Gedichte, Schweigen

Leichtfertig

Gestern Nacht fiel mir ein
ich hab es satt laut zu sein
darum gab ich mein Wort
vielleicht zu leichtfertig fort

Gestern Abend im Regen
wollt ich die Stimme erheben
dann wollte ich singen
doch kein Ton wollte klingen

Heute such ich nach Worten
an trostlosen Orten
seh die Klänge verfliegen
in Stille versiegen

Heute möchte ich schreien
Dir gern alles verzeihen
doch Du nahmst mein Wort
vielleicht zu leichtfertig fort